Eröffnung Freitag 23.Oktober 2009 19.00-22.00 Uhr
 Gabi Streile | Landschaft | (rot/grün II) | 2009 | Öl auf Leinwand, 120 x 150 cm GABI STREILE geb. 1950 in Karlsruhe
Man wird nicht fehl gehen, den Gegenstand in der Malerei Gabi Streiles als Ruhepol zu betrachten. Er ist die Konstante einer Übung, die weit über die Grenzen des Abbildhaften hinaus führt. Die ständige Wiederholung entkernt den Abstraktionsgrad: Ein runder Sockel, der Topf, aus dem ein nach allen Seiten ausladendes Wachstum sprießt, die Pflanze. Das Schwere, Statische steht unten, ganz im Sinne der Gravitationsgesetze, das Leichte, Diaphane, Mobile darüber, allerdings im Wortsinne erdverbunden.
Im nächsten Schritt verrät die Künstlerin den Hergang der Malerei selbst. Ist diese nicht ein Paradoxon, die geronnene Bestandsaufnahme einer eigentlich fließenden Bewegung? Der Zustand des Gebärens ist ein nasser, der Trocknungsprozess verwahrt die sichtbare Erinnerung an diesen Akt der Bildwerdung. Das ist einer der größten Reize, den die Malerei zu bieten hat. Gabi Streiles Meisterschaft besteht seit vielen Jahren darin, dass sie den Eindruck von Vitalität, jenes parallele Leben und Vergehen der Natur als Metapher der eigenen Existenz nutzt. Ein pralles Leben voller Dynamik, mit aggressiven Momenten ebenso wie mit verhaltenen, selten aber mit stillen. Rainer Braxmaier (2005)
 Werner Schmidt | a rainy day | 2006 | Mischtechnik auf Papier, 70 x 100 cm WERNER SCHMIDT geb. 1953 in Oppenau/Schwarzwald
Werner Schmidt hat einen großen Teil seiner Arbeit – oder vielleicht sollte ich sagen: seines Lebens? – der fiktionalen Welt von James Joyce gewidmet. Der Selbstentwurf, die Selbst-realisation – das ist der beanspruchte Daseinszweck des modernen Künstlers im Sinne des irischen Autors. Für Schmidt nimmt das durchaus konkrete Formen an. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Körper ist nicht im Bild zu sehen, aber seine Bewegung erstellt das Bild, der Körper wird Bild. Das ist eine säkularisierte Epiphanie ganz im Sinne von Joyce. Kein Gott offenbart sich, sondern der Mensch, der künstlerisch tätige Mensch. Ein solcher Selbstentwurf ist der Leitgedanken des modernen Künstlers schlechthin: seine inneren und äußeren Kämpfe, seine Versuche, der Vision einer chaotischen und feindlichen Welt eine sinnvolle Form zu geben. Hansdieter Erbsmehl (2009)
 Jörg Bach | Reflektor | 2008 | Edelstahl/poliert, 17 x 43 x 27 cm JÖRG BACH 1964 geboren in Wolgast
Stahlblech wird mit irritierender Selbstverständlichkeit zweckentfremdet, von seinen Nutzbarkeitsvorstellungen befreit und in seiner eigenästhetischen Wertigkeit zur Geltung gebracht. Jörg Bach durchbricht mit der Formgebung und Oberflächenbehandlung seiner Plastiken die funktionale Strenge, technoide Kühle und artifizielle Leblosigkeit des gewählten Werkstoffs und verleiht dem an sich statischen Material eine spielerische Leichtigkeit und organisch-dynamische Ausdruckskraft. Mit der radikalen Materialbeschränkung hat sich Jörg Bach die Möglichkeit zu einem uneingeschränkt klaren, formalen Ausdrucksreichtum in seinen seriellen Werkreihen geschaffen. Es gelingt ihm dabei, ein zentrales Thema in der Bildhauerei des zwanzigsten Jahrhunderts auf eigenständige Weise anzugehen: die Auseinandersetzung mit dem Raum. Jörg Bachs Kunst spricht von einer Auseinandersetzung mit Positiv- und Negativ-formen, mit dem Verhältnis von Innen und Außen, von Hülle und Kern, von Volumen, Hohl- und Umraum, von Masse und deren Raumdurchdringung. Stefanie Dathe
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