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"Anna Arnskötter formt energetische Speicherräume in Terrakotta und Keramik. Es sind Fantasiebauten und dennoch erkennen wir Zitate aus weltlichen und spirituellen Architekturen. Gemeinsam ist ihnen ein Streben nach oben, was, nach dem Alten Testament, bereits im Turmbau zu Babel der Versuch gewesen sein soll, Gott gleich zu kommen. Für diese Anmaßung wurden die Menschen mit Sprachverwirrungen bestraft und da sie sich nicht mehr verständigen konnten, mussten sie den unfertigen Bau aufgeben.

Die Türme und Turmhäuser von Anna Arnskötter hingegen sind fertiggestellt und recht standfeste Bauten. Sie streben nicht nach göttlicher Macht, sondern sind als besondere, sichtbare Orte des Schutzes gebaut. Sie wirken archaisch und zugleich futuristisch. Zeitlos. Es sind Elementarräume, angelehnt an Reservoire und landwirtschaftliche Behältnisse, Wasser- und Leuchttürme und Räume stiller Andacht. Sie sind aber auch von Bautechniken aus der Tierwelt wie Netzen, Waben und Erdgängen inspiriert. Sie verbinden in ihrer Form und in ihrer lebendigen Oberfläche die Kraft von Natur und Mensch, Erde, Licht und Schatten, Wasser und Feuer. Die Schornsteine sind Zeichen von menschlichem Leben und gleichzeitig Trichter zum Einfangen von Sonne, Regen und vielleicht auch kosmischer Energie. Und in der Arbeit Regenspeicher kann eine pralle Wolke das Fundament für einen zauberhaften kleinen Tempel bilden, ein märchenhaftes Traumkonstrukt. Der mächtige Turmspeicher, wabenähnlich wie das Innenleben eines Bienenstocks, ist der Versammlungsort für eine gleichgesinnte Gemeinschaft, ein Reservoir für Mensch und Natur zugleich. Nicht alle Bauten von Anna Arnskötter sind für Menschen zugänglich, sondern die Künstlerin erfindet auch unspezifische industriell anmutende Speicherbehältnisse ohne Tür und Fenster, die in ihrer ganzen Skurrilität dennoch wie Kathedralen da stehen. Die Künstlerin nennt ihre Arbeiten „Architekturen des Speicherns, der Aufbewahrung und der Erinnerung.“ So verschieden wie die angedeutete Bestimmung sein könnte, es sind Zeugnisse menschlicher Zivilisation und Speicher dessen, was wir als Menschen brauchen.

Diese archetypischen Modelle von Bauten, die es nicht gibt, stehen in ihrer ganzen Würde menschenleer und autark da. Sie sind formal streng konzipiert und rhythmisch aufgebaut. Farbe und Oberfläche werden in reiner Terrakotta, Engobe und Glasur erarbeitet. Licht und Schattenspiele verbinden sich mit der Architektur, die zugänglich und gleichzeitig geheimnisvoll erscheint."

Dr. Helen Adkins

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