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Jenseits aller Kategorien
Über Rubica von Strengs Malereien – Frank Lassak, Kulturjournalist

Der Blick in die Zukunft spielt in Rubica von Strengs Oeuvre eine zentrale Rolle – ganz gleich, ob es Eingebungen sind, die sich in ihren Bildern Bahn brechen, oder faktengestützte Befürchtungen, die darin zum Ausdruck kommen. Zu diesem Unausweichlichen, zu den Wahrheiten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, gehören für sie unter anderem die Folgen der Umweltzerstörung, die Auswirkungen der Klimakrise und die Spaltung der Gesellschaft. Themen, die heute aktuell sind und es wohl für eine Zeit lang bleiben werden.

Dabei gelingt es der Künstlerin besonders in den Gemälden des „PortLand“-Zyklus, der Schwere der behandelten Sujets eine unerhörte Leichtigkeit zu geben. Was einesteils an der Farb- und Formgebung liegt, andernteils an der ausgefeilten, filigranen Malweise – von Streng nennt sie Arpeggio-Technik –, mit der sie es schafft, die Komplexität der Welt und die brennenden Fragen der Gegenwart für die Betrachtenden erfassbar, womöglich sogar ein wenig erträglicher zu machen.

In von Strengs Malereien wirkt zudem eine spezielle Form der Entropie, jener physikalisch-chemischen Gegebenheit, die dafür sorgt, dass alles, soll heißen: universell alles, den Zustand größtmöglicher Unordnung anstrebt, so sehr wir uns auch nach geordneten Zuständen sehnen mögen. „In kosmischen Maßstäben betrachtet, haben wir gar keine Chance, diesen Trend in Richtung Chaos zu stoppen“, konstatiert sie. Derlei Erkenntnisse und die wissenschaftlichen Diskurse, die zu ihnen geführt haben, beschäftigen die Künstlerin seit Langem. „Um zu verstehen, wie die Welt tickt, ist es hilfreich, ihre Mechanismen so gut es geht zu ergründen. Ich blicke lieber tiefer in die Materie, anstatt mich mit Oberflächlichem zufrieden zu geben.“

 

Licht aus Stein
Über Rubica von Strengs „Limits of PortLand“ – Jurriaan Benschop, Kurator

Im Titel der Serie „Limits of PortLand“ steckt eine Kombination aus den Begriffen Porträt und Landschaft. Wie können wir uns eine Vermischung dieser beiden klassischen Genres im Schaffen einer Künstlerin vorstellen? Geht es um Landschaften in der Vorstellung von Betrachter*innen, um Panoramen, die in den Kopf von jemand projiziert werden? Oder geht es vielleicht um die Tatsache, dass sich menschliche Figuren und ihre natürliche Umgebung einfach nicht voneinander trennen lassen?
In Rubica von Strengs Gemälden stehen Porträt und Landschaft sowohl in der Wahrnehmung als auch im Erleben in Wechselbeziehung zueinander. Eine Figur kommt durch eine Landschaft auf uns zu, und eine Landschaft wird durch eine Figur geformt. Die Gemälde weisen ganz eindeutig Formen natürlichen Lebens auf, die genaue Art lässt sich jedoch nur schwer ausmachen. Wir erkennen die Umrisse eines Wesens oder das vage Erscheinen einer Figur. Bisweilen scheint es sich um eine menschliche Form zu handeln, in anderen Fällen eher um ein Tier. In der Serie finden sich alle möglichen organischen Gebilde, die sich gemeinsam zur Umwelt formieren. Der Einsatz von Siena- und Karminrot, aber auch von Indigo und Phthaloblau verstärkt die natürliche Ausrichtung. In anderen Arbeiten gibt Kadmiumgelb, in Sonnenlicht gemischt, den Ton an.
Von Strengs Art zu malen ist offensichtlich: Sie trägt dünne Schichten auf, die ihrerseits die anderen Schichten durchdringen, was den Arbeiten einen flüchtigen Charakter verleiht. Materie wird transparent. In Wahrheit kann man durch einen Stein nicht hindurchblicken, und doch ist es genau das, was in diesen Arbeiten geschieht. Landschaften werden so zu Vorstellungswelten. Substanz wird zu Atmosphäre, Figuren werden mitunter sogar geisterhaft: halb Körper, halb Seele.
Das Hinzufügen stakkatoartiger Farbakzente in dickerem Farbauftrag auf den dünnen Farbschleiern verleiht dem Gemälde eine andere Dynamik. Eine entschlossenere, knappe und harte Gestik wirkt dem weichen Ansatz der Farbfelder entgegen. Die Arbeiten entstehen und entfalten sich in einer Mischung bewusster, geplanter Pinselstriche und einem intuitiven Prozess.
Betrachtet man die Werke, gelangt man zu dem Eindruck, dass in dieser jungen Malerin eine alte Seele lebt. Die Kulisse erscheint archaisch. Themen wie Traumata und Fragen von Leben und Tod sind Teil der Motivation, die zur Entstehung dieser Arbeiten führen; sie gründen in einer frühen Erfahrung von Verlust. Dennoch gleichen die Werke diese grundlegende Stimmung mit einer gewissen Leichtigkeit, einem schwerelosen Schritt aus. Die Künstlerin scheint sich dem Akt des Malens als eine Art Transformation anzunähern, sie verwandelt quadratische Elemente in runde, feste Elemente in zarte, und schwere in leichte.

 

Spürbare Werkautorität
René Spiegelberger, Gründer und Vorsitzender der Kunststiftung PArt, Hamburg

Rubica von Strengs Malerei ist hintergründig klug, fundiert und verantwortungsvoll. Sie schlägt ein neues Kapitel in der Abstraktion auf. Ihre Form der Auseinandersetzung mit komplexen und hochaktuellen Themen manifestiert sich im monumentalen „PortLand"-Zyklus auf eindrucksvoll stringente Weise. Der Einsatz traditioneller Techniken und Verfahren verhilft den Werken zu einer spürbaren Werkautorität, die man zwingend in der direkten Auseinandersetzung mit dem Original erleben sollte. Hier ist aktuell ein wichtiges Oeuvre im Entstehen begriffen.

 

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